Allgemeine Wirtschaftslehre

Freikæmpfer

 
Da saß ich die Tage mal wieder in der Schule. Sommerferien sind ja bekannterweise vorbei und so zog es mich eben auch wieder in die Bildungsstätte. Aber genug Müll erzählt, kommen wir zum eigentlich Inhalt:

Auf dem Stundenplan stand "Wahlpflichtunterrricht". Der Lehrer stellte das Fach mit dem Thema "Allgemeine Wirtschaftslehre" vor. Was dort behandelt wird, sollte klar sein. Es geht vorallem um rein kapitalistische Vorgehensweisen. Wie funktioniert der Geldkreislauf? Wie funktioniert der Warenkreislauf? Wie sind die Menschen von Unternehmen und Konzernen abhängig und andersrum? Kurz gesagt: What the fuck is capitalism?

Von nun an habe ich dieses Fach einmal pro Woche. Während meiner Ausbildung zum Kaufmensch im Einzelhandel habe ich zwar schon dieses Thema gehabt, aber der jetzige Lehrer hat das ganze ziemlich krass dargestellt. Im nachhinein frage ich mich schon, wie ich dabei meine Fresse halten konnte. Denn das erste Subthema war "Produktionsfaktoren". Beginnend mit "Volkswirtschaftliche Faktoren" erklärte uns der Lehrer so einiges. Wichtig für den Standort eines Unternehmens sind, nach volkswirtschaftlichen Faktoren, vorallem die Frage nach dem Boden, der Arbeitskraft und dem Kapital. Bei diesen Punkten blieb es noch sehr friedlich. Schließlich ging es dabei um Fragen wie z.b. "Ist das Grundstück für die Fabrik im Industriegebiet günstig zu haben und ist es verkehrstechnisch gut erreichbar?" oder "Wie groß ist die Arbeitslosigkeit in dem Gebiet? Gibt es genug Arbeitende und stimmt die Bildung?". Als es dann um die sog. "Betriebswirtschaftlichen Faktoren" ging, wurde es etwas unfreundlicher. Dort ging es dann um Betriebsmittel(Maschinen, Gebäude, Fahrzeuge, etc.), Werkstoffe(Rohstoffe etc.) und die ausführende Arbeit. Also ob die Arbeit im Akkord läuft, wie die Arbeit eben ausgeführt werden soll. Das war, wie gesagt, noch einigermaßen ok aber schon etwas Grenzwertig. Als es dann jedoch innerhalb der "Betriebswirtschaftlichen Faktoren" um die "dispositiven Faktoren" ging, hätte ich eigentlich auf dem Tisch stehen müssen und dem Lehrer verbal die Fresse polieren müssen. Erstmal: Mit "dispositiven Faktoren" ist vorallem die Unternehmensleitung gemeint. Diese beschäftigt sich innerhalb der "Betriebswirtschaft" mit Fragen der "Zielsetzung", "Planung", "Organisation" und "Kontrolle". Also was mensch eben so von einem Vorstand gewöhnt ist. Die sagen "Wir müssen um 7% wachsen!", sagen aber nicht wie und dann muss sich der Rest des Unternehmens darum kümmern während der Vorstand rumsitzt und am Ende das Ergebnis kontrolliert. Jedenfalls wurde dann vorallem der Punkt "Zielsetzung" behandelt. Und natürlich mit dem Hintergedanken "Wir müssen unseren Gewinn vermehren!". Unter dieser Maxime wurden dann die Möglichkeiten zur Gewinnmaximierung betrachtet:
1. Kapazitäten ausweiten durch Expansion! Also Geld ausgeben um z.b. eine weitere Produktionshalle zu bauen.
2. Marktanteil erhöhen! Mehr Werbung schalten um mehr Menschen zu indoktrienieren, sie bräuchten das Produkt.
3. Umsatz erhöhen! Einfach mehr verkaufen.(Nur wie wurde nich gefragt!)
4. Kostensenkung! Stammbelegschaft verkleinern und "Zeitarbeiter"(OTon) einstellen.

Spätestens bei Punkt 4 wär ich fast geplatzt. Da steht dieser "Lehrer", dieser "Pädagoge", vorn an der Tafel und gibt so einen Bullshit von sich. Um Kosten zu senken solle mensch doch die Stammbelegschaft verkleinern, ergo: Menschen auf die Straße setzten, und durch Zeitarbeiter_innen(Zeitlohnsklaven) ersetzen. Dieses Statement hatte den faden Beigeschmack von Scheiße und ich habe eigentlich nur darauf gewartet, das der Herr "Lehrer" vorschlägt, mensch könne ja den Lohn der Belegschaft kürzen. Also Lohndumping betreiben. Das war so ein Moment wo ich nicht mehr wissen wollte, was der Typ da vorn eigentlich so von sich gibt sondern ihm am liebsten einfach nur verbal die Fresse polieren wollte. Allerdings habe ich es gelassen. Für das nächste mal habe ich mir aber fest vorgenommen, ihm den Unterricht merklich schwer zu gestalten. Zumal es dann auch irgendwann, ich weiß schon gar nicht mehr den Moment, um Exporte ging. Es hing damit zusammen, das die Frage geklärt werden sollte, warum ein Unternehmen eigentlich eine gute verkehrstechnische Anbindung braucht. Klar, um ihre Produkte besser in alle Welt exportieren zu können. So weit, so schlecht! Allerdings fing der "Lehrer" dann damit an, darüber zu reden das Deutschland ja Exportweltmeister ist. Naja, er liegt falsch! China hat Deutschland mittlerweile überholt. Aber egal, es geht nämlich eigentlich darum, welche Güter Herr "Lehrer" für den Export aufzählte. Nämlich: "Maschinen und chemische Stoffe!" Ja, er hat recht! Kriegsmaschinerie und chemische Kampfstoffe liegen hoch im Kurs bei den deutschen Exporten. Denn wenn Deutschland eines ist, dann Exportweltmeister für Mordwerkzeug alle Art. Aber der feine Herr wollte das ja nicht erwähnen. Da fällt mir übrigens wieder eine Äußerung von ihm ein, die er etwas früher im Unterricht sagte. Es ging gerade um den "volkswirschaftlichen Faktor" (Aus-)Bildung. Nach der Aussage des "Lehrers" sei es um das deutsche Bildungssystem ja nicht schlecht bestellt. Es sei zwar nicht das beste, so räumte er ein, aber es sei dennoch eines der Besten. Erm...NEIN!

Dieser "Lehrer" ist schon ein Pfosten der seines gleichen sucht. So wie es aussieht werde ich wohl das komplette Schuljahr so meinen Spaß mit ihm haben. Zumal er auch noch behauptete, das China voll das heruntergekommene Land sei. Zwar weiß ich nicht, auf welchem Planeten bzw. in welcher Realität dieser "Lehrer" lebt, aber China ist ja viel, aber sicherlich kein heruntergekommenes Land. Dort sind die Arbeitsbedingungen nicht selten schlechter als in Deutschland, der Lohn ist dort auch eine zumutung und vom Lebensstandart in manchen Provinzen Chinas möchte ich gar nicht erst reden, aber wenn es etwas gibt was die "Kommunistische Regierung"(ich denke wir sind uns einig, das es dort keinen Kommunismus gibt) kann, dann ist es kapitalistisch Wirtschaften aber eben auch das Land systemimmanent voran zu bringen. Zumindest haben die "dort drüben" ein besseres Gesundheitssystem als hier in Deutschland. Nicht diesen Scheiß mit "Kopfpauschale", "Praxisgebühr" oder überteuerte Medikamente.

Quellen(nicht alle, weil ich nicht für alles eine verlinkbare Quelle habe):
OECD » Bildungsstand der Bevölkerung
OECD » Bildungsausgaben gesamt
PISA » Ergebnis 2006 Deutschland
NRW-Schulblog » OECD-Bildungsbericht 2009
SpOn » OECD-Bildungsbericht
Deutschland sackt weiter ab(2007)

manager magazin » Exportweltmeister - China schlägt Deutschland
deStatis » Außenhandel 1. Halbjahr 2009: Exporte sinken um 23,5%
deStatis » Außenhandel im 1. Quartal 2010: Exporte steigen um 10,3%
WELTonline » Der Export treibt den Aufschwung im Jahr 2010
Süddeutsche » Deutschland schickt Waffen in alle Welt
SpOn » Chinas Export explodiert, Deutschland fällt zurück



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Weblog: topsy.com
Aufgenommen: Aug 21, 14:48

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