Burnout - Ausgebrannt

Freikæmpfer

 
Eigentlich sollte der vergangene Abend von einem produktiven Plenum ausgefüllt werden. Die Tagesordnung(TO) war auch prall gefüllt mit wichtigen Punkten wie z.b. "1.Mai", "Selbstverständnis" oder "Aktion". Es waren diesmal auch außergewöhnlich viele GenossInnen anwesend. Aber naja, es hätte eben nur ein produktives Plenum sein können. Hätte! Hat aber nicht. Stattdessen kamen wir lediglich zum zweiten TO-Punkt, 1.Mai. Wir haben geklärt, wo etwas für uns interessantes am 1.Mai läuft und als wir dann darüber sprachen, wie wir da am besten hin- und wieder wegkommen, ging alles in die Hose. Ein Genosse missachtete zwar schon den gesamten Abend die Redeliste, wurde nun aber zunehmend penetranter in seinen zwischenrufen und seiner Lautstärke. Und warum? Weil er unbedingt einen Reisebus organisieren wollten. Wir befanden uns im Plenum allerdings in einer Pattsituation. Denn es gab insgesamt drei Vorschläge um an den Ort des geschehens zu kommen. 1. Auto, 2. Zug, 3. Reisebus. Jede Möglichkeit hatte die selbe Anzahl Für-Stimmen! Das war jedoch nur der Aufhänger für das, was noch passierte. Der Genosse beharte darauf, mit einem Reisebus zu fahren und Argumentierte das es für ihn keinerlei Problem sei, einen Reisebus mit Menschen zu füllen. Und das es auch Reibungslos funktioniert wenn er den Reisebus autorithär organisieren würde. Da eine Genossin zu dieser Uhrzeit schon gehen musste, schlossen sich ihr andere GenossInnen spontan an, so das wir am Ende nur noch zu viert da saßen. Nachdem wir uns dann ca. 30 Minuten noch mit dem Genossen mehr oder minder stritten und es auch immer lauter wurde, sind wir raus gegangen. Wir wollten keinen Streß bekommen! Nicht noch mehr, als eh schon herrschte. Also gingen wir ein paar Straßen weiter und ins Feld. Bis wir dort angekommen waren, hatte sich der Streit schon auf ein komplett anderes Thema begeben. Es war nicht mehr die Rede von einem Reisebus sondern davon, das doch eh alles Scheiße ist und wir, soviel wir auch tun, nichts dagegen das System ausrichten können. Der Genosse, übrigens war er leicht betrunken, hatte einen "klassischen" Absturz. Er ist länger politisch Aktiv als ich bewusst politisch Denke. Auch von Berufswegen hat er den ganzen Tag mit Politik zu tun. Von daher war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er ausbrennt.

Aufgrund dieses, ich nenne es mal, Anfalls ist mir (mal wieder) die Frage in den Kopf gekommen "Was machst du da eigentlich?" Auf diese Frage werde und kann ich jetzt keine Antwort geben. Und zwar weil ich ganz genau weiß, das ich morgen, wenn ich das hier nochmal lese oder mir diese Frage wieder stelle, eine andere Antwort auf diese Frage haben werde. Denn ich weiß nicht, was morgen kommt. Vielleicht habe ich morgen ein so positives Erlebnis, das ich ein Gefühl bekomme, das mich nur weiter in meinem politischen Engagement bestärkt. Oder vielleicht habe ich morgen auch so einen Absturz. In beiden Fälle beantworte ich die Frage anders als ich es jetzt tun würde.

Eins will ich jedenfalls mit diesem Blogpost sagen:
Jede Person, welche politisch Aktiv ist, sollte bzw. muss sich von Zeit zu Zeit die Frage stellen "Was machst du da eigentlich?" So denke zumindest ich! Die Reflektion des eigenen Engagement ist, mE, ein Teil von linker Politik. Noch dazu festigt es die eigene politische Meinung und bestärkt weiteres Engagement. Die Frage nach dem Warum sollte immer Teil von Meinungsbildung sein und vorallem auch bei der Diskussion oder Vorbereitung einer jeden Aktion bedacht werden.

Auch wenn der Teil, in dem ich den Genossen und seinen Anfall beschrieb, ein wenig lang geraten ist, hoffe ich dennoch das jedeR versteht, was ich meine. Wir haben jedenfalls alle restlichen TO-Punkte auf das nächste Plenum verlegt. Genauso wie die Fragestellung, mit welchem Verkehrsmittel wir nun am 1.Mai fahren wollen.

So viel von mir... Good Night!

P.S.: Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten! Sie sind kollektiviert.



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Kommentare
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1
Ohja, solche Probleme mit Genossen kenne ich auch...
Sören (Antwort) am Freitag, 9. April 2010

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